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Lesebrille liegt auf einem aufgeschlagenen Manuskript auf einem hölzernen Schreibtisch, daneben gebundene Hefte
Aufsatz

Reflective professional development

Dr. Florian Bresler (2016): Reflective professional development. In: Zeitschrift für interdisziplinäre ökonomische Forschung (ZIFP) / Journal of Interdisciplinary Economic Research, Heft 1/2016, S. 56–65. ISSN 2196-4688.

Abstract

The exorbitant growth of internet and social media has not only contributed to an immense expansion of virtual markets but also to the growth of availability of different knowledge resources for the users (Rice- Lively/ Racine, 2002). From the beginning of mankind until the initiation of the Web 2.0 specialized knowledge was restricted to an inner circle of privileged individuals. Accordingly, growth of knowledge was limited. Today though, knowledge has become an infinite resource available in abundance to virtually anybody disposing of an internet connection (Gruber, 2007). Information pools, as a result, are growing exponentially. The challenge of raising the treasure of knowledge has shifted from getting access to information to selecting adequate, topical and relevant information (Webber, 2000). According to multichannel communication output, relevant input given by adequate insights becomes more necessary.

Einordnung

Der Aufsatz untersucht, was berufliche Entwicklung anstößt und auf welchen Wegen Lernen sie möglich macht. Er verbindet eine systematische Literaturanalyse mit einer Reflexion über die eigene Promotion. Erschienen ist er auf Englisch in der Zeitschrift für interdisziplinäre ökonomische Forschung (ZIFP), Heft 1, Seiten 56 bis 65. Er geht auf eine Modularbeit des Promotionsprogramms zur reflektierten beruflichen Entwicklung zurück. Der Abstract oben gibt den Wortlaut des Autors wieder, wie er im RePEc-Eintrag steht, einschließlich der Literaturangaben.

Fachwissen war lange einem kleinen Kreis vorbehalten. Mit Internet und sozialen Medien steht es fast jedem offen, und die verfügbare Informationsmenge wächst sehr schnell. Damit hat sich der Engpass verschoben. Der Zugang zu Information ist kaum noch ein Hindernis, schwierig ist die Auswahl dessen, was aktuell und relevant ist. Wer forscht, braucht deshalb klare Absichten und Methoden, um Informationen zu bewerten und aufzunehmen. Wie Absicht und Methode zusammenwirken, ist das Thema des Aufsatzes.

Fragestellung

Der Aufsatz stellt drei Fragen.

  1. Was stößt berufliche Entwicklung an?
  2. Über welche Mechanismen ermöglicht Lernen diese Entwicklung?
  3. Wie bedingen Anstoß und Mechanismus einander?

Die ersten beiden Fragen gliedern die Literaturauswertung, die dritte führt sie zusammen. Der Aufsatz behandelt sie als Frage nach dem Was und nach dem Wie des Lernens.

Vorgehen

Begriffe und Lerntheorien

Zuerst klärt der Aufsatz die Begriffe. Eine Wortfeldanalyse von „Entwicklung“ arbeitet drei Merkmale heraus. Etwas bisher Unbekanntes wird freigelegt, das geschieht schrittweise, und Entwicklung ist ein Prozess, kein Zustand. Personalentwicklung im betrieblichen Sinn richtet den Einzelnen auf die Ziele der Organisation aus. Der Aufsatz zieht den weiteren Begriff der beruflichen Entwicklung vor. Er stützt sich dabei auf Swanson, der die Disziplin auf Ökonomie, Sozialwissenschaften und Psychologie gründet und die Ethik als Fundament darunter legt.

Drei Lerntheorien bilden den Rahmen. Der Behaviorismus erklärt Lernen als Änderung des Verhaltens durch Belohnung und Strafe. Der Kognitivismus sieht den Kern in der inneren Verarbeitung von Beobachtung und Vorwissen. Der Konstruktivismus beschreibt Lernen als aktiven Aufbau eigenen Wissens in einer Gemeinschaft, die der Lernende selbst mitprägt. In dieser Abfolge wird der Lernende immer selbstständiger, und Lehrende werden von Anleitern zu Beteiligten. Akademische Forschung entspricht nach dem Aufsatz am ehesten dem konstruktivistischen Bild.

Literatur­analyse

Die Literaturanalyse folgt einem fünfstufigen Schema nach Eisend. Es beginnt mit der Leitfrage und den Auswahlkriterien, setzt sich mit der Datenbanksuche fort und endet mit Kodierung und Auswertung. Durchsucht wurden Scirus, Emerald Insight und Google Scholar, mit Suchbegriffen zu Personal- und beruflicher Entwicklung und zu Lernprozessen. Sechs Unterfragen leiten die Auswertung, etwa nach dem Kontext einer Studie, nach ihrem Verständnis von Entwicklung und nach der Art ihrer Belege.

Um die Befunde zu ordnen, entwirft der Aufsatz ein eigenes Modell. Es beschreibt Wissensweitergabe als Kommunikation zwischen einer lehrenden und einer lernenden Seite. Studien aus Sicht der Lernenden fragen, was im Lernenden und in seinem Umfeld Lernen auslöst. Studien aus Sicht der Lehrenden fragen, wie Wissen geteilt wird.

Befunde

Die Seite der Lernenden

Zwei Modelle stehen im Mittelpunkt. Die Theory of Reasoned Action von Ajzen und Fishbein erklärt Lernabsicht und Lernverhalten aus der eigenen Einstellung und der subjektiven Norm, also aus den Erwartungen des sozialen Umfelds. Kritiker halten ihr vor, Gefühle auszublenden und die Meinungsbildung zu linear zu fassen. Aus ihr abgeleitet ist das Technology Acceptance Model von Davis. Es erklärt, ob jemand eine Technik annimmt und erlernt, aus dem wahrgenommenen Nutzen und der wahrgenommenen Einfachheit der Bedienung. In einem Test mit 704 Studierenden beschrieben diese beiden Größen die Einstellungen verlässlicher als die allgemeinen Überzeugungen, mit denen die Theory of Reasoned Action arbeitet.

Für die weitere Argumentation hält der Aufsatz fest, dass die Lernabsicht dem Lernverhalten vorausgeht. Sie entsteht aus einem inneren Entschluss und aus sozialem Einfluss, ausdrücklich etwa durch Anreize oder stillschweigend durch die Erwartungen von Kollegen und Vorgesetzten. Gelernt wird, was nützlich erscheint und sich leicht anwenden lässt.

Die Seite der Lehrenden

Auf der lehrenden Seite treten drei Mechanismen hervor. Der erste ist Vertrauen. Eine Untersuchung zur Einführung eines neuen Systems für die Bewertung von Kreditrisiken in einer Bank zeigt, dass Nutzen und Bedienbarkeit die Lernabsicht der Beschäftigten nicht ausreichend erklären. Erst das Vertrauen in das System schließt die Lücke. Ulrich und Kollegen zählen Glaubwürdigkeit zu den wichtigsten Eigenschaften von Personalverantwortlichen, weil Vertrauen das Lernen erst ermöglicht.

Der zweite Mechanismus ist das Teilen von Wissen. Eine Studie mit 150 Unternehmen findet, dass Wissen genutzt wird, wenn die Organisation es unterstützt und der Einzelne es für nützlich hält. Ermutigung durch die Führung und Anreizsysteme stärken die Lernmotivation. Eine Metaanalyse zur Weiterbildung von Lehrkräften ergänzt, dass solche Programme überwiegend Freiwillige erreichen und damit gerade die Gruppe verfehlen, die sie am meisten bräuchte.

Der dritte Mechanismus ist Lehren als kreativer Prozess. Gute Weiterbildungsprogramme betrachten ein Thema aus mehreren Blickwinkeln (Borko). Das Netz bündelt kollektives Wissen, verlangt aber die Konzentration auf ein klares Ziel (Gruber). Teams, die Rückmeldung suchen, Fehler offen besprechen und ihre Ergebnisse reflektieren, leisten mehr (Savelsbergh und Kollegen). Selbstreflexion und Offenheit gelten dem Aufsatz deshalb als Kernkompetenzen.

Kernaussage

Akademisches Lernen verläuft nach dem Aufsatz wie eine aufsteigende Spirale. Forschungsziele verändern die Ergebnisse, und die Ergebnisse verändern die Ziele. Entwicklung geschieht dabei in Schüben. Auf lange Phasen mühsamer Arbeit folgen plötzliche Einsichten. Als Beispiel nennt der Aufsatz die eigene Promotion. Das Kausalmodell der Dissertation zeichnete sich auf einen Schlag ab, nachdem die EFQM-Ansätze gründlich durchgearbeitet waren.

Bezug zur Dissertation

Der Aufsatz beschreibt das Entstehen der Dissertation, nicht ihr Thema. Seine Bausteine kehren im Schlusskapitel der Dissertation wieder, wo die Arbeit ihre Bedeutung für die persönliche Entwicklung des Autors prüft. Dort ordnet sie die Faktoren in innere und äußere.

Baustein Art Bedeutung
Kreativität innerer Faktor Forschen als schöpferische Verbindung von praktischer Erfahrung und akademischem Wissen
Offenheit innerer Faktor Bereitschaft, neue und fachfremde Ideen aufzunehmen
Vertrauen innerer Faktor Bedingung dafür, dass Wissen weitergegeben und angenommen wird
Wissensaustausch äußerer Faktor Lernen im Gespräch mit Lehrenden, Kollegen und Befragten
aktive Beteiligung äußerer Faktor Lernerfolg hängt an der Mitwirkung aller Beteiligten
Multifokalität äußerer Faktor ein Thema aus mehreren Blickwinkeln bearbeiten

Zwei Verbindungen reichen über das Schlusskapitel hinaus. Der Aufsatz beschreibt Lernen als Kommunikation zwischen einer lehrenden und einer lernenden Seite. Die Dissertation überträgt dasselbe Grundgerüst aus Sender und Empfänger auf das Netz aus Agentur, Auftraggeber, dessen Kunden und Öffentlichkeit; Sender ist dort die Agentur, Empfänger sind die Kunden des Auftraggebers. Außerdem ist Vertrauen in beiden Arbeiten eine zentrale Größe. Im Aufsatz ist es eine Bedingung für Wissenserwerb, im Endmodell der Dissertation ist Kundenvertrauen die stärkste Erfolgsgröße, mit einem standardisierten Gewicht von 0,80. Das Modell selbst stellt die Seite QMC-Modell vor, die Befunde stehen unter Ergebnisse.