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Kugelschreiber zeigt auf ein ausgedrucktes Balken- und Liniendiagramm

Ergebnisse der Studie zur Agentur­qualität

Grundlage: Dissertation, Abschnitte 3.4.2, 3.6, 4.2, 4.3, 4.4, 5.2, 5.3, 5.4, 5.9 (Tab. 8, Tab. 9, Abb. 28; Anhänge 9 bis 12)

Die Studie hat ihr Modell an den Urteilen von Auftraggebern zweier international tätiger Agenturnetzwerke geprüft. Vier der sieben Kernhypothesen wurden angenommen, darunter zwei Referenzpfade, die sich nicht einzeln testen lassen. Weil sich das Ausgangsmodell nur in Teilen bestätigte, vereinfachte die Studie es in drei Schritten. Im Endmodell dominiert die Führungseffizienz, und die Kommunikationsqualität zeigt sich vor allem im Vertrauen der Kunden des Auftraggebers. Einen Effekt auf den finanziellen Wert konnte die Studie nicht nachweisen.

Datengrundlage

Ausgewertet sind 209 vollständige Fragebögen dieser Auftraggeber, jeder mit einem abgeschlossenen Auftrag von mehr als 100.000 Euro. Rücklauf und Zusammensetzung der Stichprobe beschreibt die Seite Methode.

Jeder Fragebogen enthielt 20 Aussagen. Zwölf betrafen die Enabler der Agentur und wurden von 1 (schlechte Leistung) bis 5 (Top-Leistung) bewertet. Acht betrafen den Erfolg im eigenen Unternehmen und reichten von 1 (keine Zustimmung) bis 5 (maximale Zustimmung). Ausgewertet wurde mit einem Strukturgleichungsmodell. Als signifikant gilt in der Studie ein Pfad mit p < 0,10.

Die sieben Kernhypothesen

Die Hypothesen folgen der Logik des QMC-Modells. Die ersten vier Hypothesen unterstellen, dass jeder Enabler die Kommunikationsqualität hebt. Die Hypothesen 5 bis 7 unterstellen, dass diese Qualität beim Auftraggeber drei Arten von Erfolg hervorbringt, Kundenwert, sozialen Wert und finanziellen Wert. Die Kommunikationsqualität selbst ist eine latente Größe. Sie wird nicht direkt erfragt, sondern aus dem Zusammenspiel der Enabler und der Erfolgsgrößen geschätzt.

Nr. Pfad Schätzung S.E. C.R. p Ergebnis
H1 Führungseffizienz → Kommunikationsqualität 1 (Referenzpfad) – – – angenommen
H2 Mitarbeiterqualität → Kommunikationsqualität 0,14 0,082 1,7 0,09 angenommen
H3 Kommunikationsstrategie → Kommunikationsqualität 0,12 0,089 1,3 0,17 abgelehnt, nicht signifikant
H4 Ressourcenintegration → Kommunikationsqualität −0,04 0,092 −0,4 0,67 abgelehnt, nicht signifikant
H5 Kommunikationsqualität → Kundenwert 1 (Referenzpfad) – – – angenommen
H6 Kommunikationsqualität → sozialer Wert 0,15 0,086 1,7 0,08 angenommen
H7 Kommunikationsqualität → finanzieller Wert 0,12 0,105 1,2 0,24 abgelehnt, nicht signifikant

Unstandardisierte Schätzungen des Ausgangsmodells. S.E. steht für den Standardfehler, C.R. für den kritischen Wert. Die Nummerierung folgt der Hypothesenentwicklung der Arbeit (Abschnitt 3.4.2).

Vier von sieben Kernhypothesen wurden angenommen. Zwei davon, H1 und H5, sind Referenzpfade (nicht einzeln getestet; Erläuterung); die Arbeit wertet sie dennoch als angenommen. Einzeln getestet und angenommen sind H2 und H6.

Die Teilhypothesen

Jede Kernhypothese hat zwei oder drei Teilhypothesen, eine je Indikator. Sie prüfen, ob die einzelnen Aussagen des Fragebogens ihren Faktor abbilden. Auch hier dient je Faktor ein Indikator als Referenz.

Nr. Indikator Schätzung p Ergebnis
H1a demokratische Mitbestimmung 0,28 0,01 angenommen
H1b charismatisches Verhalten 0,20 0,06 angenommen
H1c organisationale Identifikation 1 (Referenz) – angenommen
H2a Zufriedenheit der Mitarbeiter 0,14 ≈ 0,13 von der Studie als angenommen gewertet
H2b unternehmerische Orientierung −0,03 0,72 abgelehnt
H2c kommunikative Kompetenz 1 (Referenz) – angenommen
H5a Kundeneinstellung 0,10 0,27 abgelehnt
H5b Kundenbindung −0,01 0,88 abgelehnt
H5c Kundenvertrauen 1 (Referenz) – abgelehnt
H6a öffentliches Interesse −0,83 0,28 abgelehnt
H6b Reputationsgewinn 1 (Referenz) – abgelehnt
H7a Börsen- oder Marktwert 0,37 0,67 abgelehnt
H7b Eigenkapitalrendite 1 (Referenz) – abgelehnt
H7c Tobins q 0,18 0,82 abgelehnt

Zuordnung der Indikatoren nach Fragebogen und Datensatz der Studie. Für H2a weist die Studie p gerundet mit 0,1 aus; aus Schätzung und Standardfehler (C.R. 1,5) ergibt sich p ≈ 0,13. Die Studie wertet H2a dennoch als angenommen. Die Teilhypothesen H3a bis H4c zu Strategie und Ressourcen stehen auf der Seite Strategie und Ressourcen.

Auf der Seite der Enabler bestätigen die Teilhypothesen das Bild der Kernhypothesen. Mitbestimmung und Charisma sind signifikant, die Identifikation ist Referenz. Bei den Mitarbeitern fällt die unternehmerische Orientierung heraus (p = 0,72); die Zufriedenheit liegt mit p ≈ 0,13 über der Schwelle und wird von der Studie dennoch als angenommen gewertet. Bei der Strategie fällt die Informationskompetenz heraus, und für die Ressourcen ist kein Indikator signifikant. Auf der Erfolgsseite ist im Ausgangsmodell kein einziger Indikator für sich signifikant. Die Kernhypothesen H5 und H6 gelten also für die Faktoren als Ganzes, nicht für einzelne Aussagen. Hier setzten die Abänderungen an.

Was das Ausgangsmodell aussagt

Nach der Lesart der Arbeit verbinden die Auftraggeber gute Agenturarbeit vor allem mit Menschen. Führung (Referenzpfad, von der Studie als angenommen gewertet) und Mitarbeiter (p = 0,09) gelten der Studie als Träger der wahrgenommenen Qualität, die strategische Positionierung einer Agentur (p = 0,17) und ihre Vernetzung mit Partnern (p = 0,67) nicht. Auf der Erfolgsseite wertet die Studie die Pfade zum Kundenwert (Referenzpfad) und zum sozialen Wert (p = 0,08) als angenommen. Für den finanziellen Wert, gemessen an Börsen- oder Marktwert, Eigenkapitalrendite und Tobins q, ließ sich kein signifikanter Effekt nachweisen (p = 0,24).

Drei Abänderungen bis zum Endmodell

Die Studie veränderte das Ausgangsmodell anschließend schrittweise und entfernte schwache Indikatoren und Faktoren. Die Rechnungen sind in den Anhängen der Arbeit dokumentiert.

  1. Abänderung 1. Unternehmerische Orientierung und Informationskompetenz bilden einen neuen Faktor „Unternehmensleistung“. Ressourcenintegration und finanzieller Wert entfallen. Öffentliches Interesse, Reputationsgewinn und Kundenbindung hängen direkt an der Kommunikationsqualität. Der neue Faktor ist nicht signifikant (p = 0,95). Öffentliches Interesse (−0,12, p = 0,18) und Kundenbindung (−0,03, p = 0,77) zeigen negative, nicht signifikante Pfade, der Reputationsgewinn ist auf dem 10-Prozent-Niveau signifikant (0,15, p = 0,09). Das Modell umfasst 14 beobachtete Variablen.
  2. Abänderung 2. Unternehmensleistung, öffentliches Interesse und Kundenbindung entfallen. Auf der Seite der Enabler sind nun die meisten Indikatoren signifikant. Dafür ist der Kundenwert nicht mehr signifikant, die Kundeneinstellung kommt auf 0,10 (p = 0,30). Mitarbeiterqualität liegt bei 0,14 (p = 0,09), die Strategie bei 0,13 (p = 0,16). Das Modell umfasst zehn beobachtete Variablen.
  3. Abänderung 3, das Endmodell. Der Faktor Kundenwert und die Kundeneinstellung entfallen. Kundenvertrauen und Reputationsgewinn hängen direkt an der Kommunikationsqualität. Das Modell umfasst neun beobachtete Variablen.

Die Reduktion folgt den Daten. Sie macht das Modell einfacher, ist aber keine nachträgliche Bestätigung der Ausgangsannahmen. Was wegfiel, ist selbst ein Ergebnis. Für Ressourcen, finanziellen Wert, öffentliches Interesse, Kundenbindung, Informationskompetenz, unternehmerische Orientierung und Kundeneinstellung fand die Befragung keinen signifikanten Zusammenhang mit der wahrgenommenen Qualität.

Das Endmodell

Endmodell mit standardisierten Gewichten
Abbildung: Endmodell mit standardisierten Gewichten. Grafik: Dr. Florian Bresler, nach der Dissertation, Kap. 4.3.2 (Abb. 28, Tab. 9).

Das Endmodell besteht aus drei Enablern, der vermittelnden Größe Kommunikationsqualität und zwei Erfolgsindikatoren. Führungseffizienz wird über Identifikation, Mitbestimmung und Charisma gemessen, Mitarbeiterqualität über kommunikative Kompetenz und Zufriedenheit, Kommunikationsstrategie über die zweiseitige Kundenbeteiligung sowie Kundenengagement und -vertrauen.

Pfad im Endmodell Schätzung p standardisiertes Gewicht
Führungseffizienz → Kommunikationsqualität 1 (Referenz) – 0,98
Mitarbeiterqualität → Kommunikationsqualität 0,14 0,093 0,14
Kommunikationsstrategie → Kommunikationsqualität 0,12 0,166, nicht signifikant 0,12
Kommunikationsqualität → Kundenvertrauen 1 (Referenz) – 0,80
Kommunikationsqualität → Reputationsgewinn 0,14 0,098 0,14

Standardisierte Gewichte machen Pfade vergleichbar, die auf unterschiedlichen Skalen geschätzt wurden. Im Endmodell der Studie ist Führungseffizienz mit einem standardisierten Gewicht von 0,98 der mit Abstand stärkste Faktor. Mitarbeiterqualität folgt mit 0,14, Kommunikationsstrategie mit 0,12, nicht signifikant. Auf der Erfolgsseite ist Kundenvertrauen die mit Abstand stärkste Erfolgsgröße (standardisiertes Gewicht 0,80), der Reputationsgewinn folgt mit 0,14. Wie die einzelnen Enabler gemessen wurden, zeigen die Seiten zu Führungseffizienz, Mitarbeiterqualität sowie Strategie und Ressourcen.

Gewichte der Enabler im Endmodell
Abbildung: Gewichte der Enabler im Endmodell. Grafik nach der Dissertation, Kap. 4.3.2 (Tab. 9).

Die Arbeit fasst das Endmodell in zwei Aussagen zusammen. Die Qualität von Agenturarbeit hängt stark an der Agenturleitung. Und diese Qualität zeigt sich im Vertrauen der Kunden des Auftraggebers und in seinem Ansehen, während sich ein Effekt auf Finanzergebnisse nicht nachweisen ließ. Innerhalb des Führungsfaktors wiegt im Endmodell die Identifikation der Leitung mit der Organisation am meisten (0,58), Mitbestimmung (0,20) und Charisma (0,16) folgen.

Wie die Auftrag­geber ihre Agenturen bewerten

Alle 20 Aussagen liegen im Mittel zwischen 3,14 und 3,80. Die Höhe eines Urteils sagt nichts darüber, ob es Qualität erklärt. Die Kundenbindung erhielt den höchsten Mittelwert und fiel trotzdem aus dem Modell, und das Wissensmanagement wurde besser bewertet als jedes Merkmal der Führung und blieb ohne signifikanten Zusammenhang mit der Qualität. Die Erfolgswerte im Einzelnen stehen unter Kommunikationserfolg.

Wie weit die Ergebnisse reichen

Die Befunde sind Befunde dieser Studie und dieser Stichprobe. Befragt wurden Auftraggeber zweier international tätiger Agenturnetzwerke. Querbeziehungen zwischen den Enablern sind nicht modelliert, obwohl die Literatur sie vermutet. Offen bleibt auch, ob das gewonnene Vertrauen die Auftraggeber langfristig wettbewerbsfähiger macht. Diese Frage lag außerhalb der Studie. Die Seite Grenzen und Ausblick führt diese Punkte aus.

Nach diesen Ergebnissen zeigt sich Agenturarbeit vor allem in der Beziehung zwischen Auftraggebern und ihren Kunden. Wie sich Erfolg in der Kommunikation vom Marketingerfolg unterscheidet, zeigt die Seite Kommunikationserfolg.